Jeden Deiner Schritte möchte ich besingen.
Meine Lieder nehmen immer wieder Dich in ihre Mitte,
Möchten, wie Dein Blut, Dich rot durchdringen.

Heilig sind mir die Sekunden und kurzweilig,
Seit ich in Dir meine Lust gefunden, meine wache,
Seitdem sind die Stunden nicht mehr eine abgetane Sache.
Unumwunden möcht‘ ich sie dicken Bänden einverleiben,
Mit zwei Händen die Minuten singend niederschreiben,
Möcht‘ mich noch im Lied an Deinem Anblick weiden.
Möchte Dich an jedem Glied, vor den Augen beiden,
Wie in einem Liederbache ganz entkleiden.

Möchte, daß Dich alle Worte meiner Sprache nennen,
Gleich wie Deiner Kleider Faltenrauschen im Gemache;
Lieder, mehr als Ziegel auf dem Dache,
Lieder, wie die Atemzüge, die von mir zu Dir hinbrennen. –
Nur in Wollust und im Liede lernen sich Verliebte kennen.

Max Dauthendey

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